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Personal Relations statt PR

von Simone Hock

Inhaltsverzeichnis:

  • Einleitung
  • Not-To-Do-Liste
  • To-Do-Liste
  • Buchinhalt
  • Titel und Erfolge
  • Fazit
  • Literaturliste

Einleitung

Timothy Ferriss kennt in Deutschland kaum jemand. In den USA ist er ein bekannter Blogger und vor allem ein sehr erfolgreicher Buchautor. Seinen Erfolg verdankt er keinen konventionellen Strategien, ein Buch zu bewerben, sondern seiner Vorliebe für Blogs. Mithilfe von Kontakten und Freundschaftsdiensten schaffte er es die Nummer eins der New York Times Bestseller-Liste zu werden.

Not-To-Do-Liste

In seinem Blog erzählt Ferriss offen, wie er als erstmaliger Autor ohne Offline-Werbung oder PR-Maßnahmen die Spitze der Bestseller-Listen verschiedener angesehener Zeitungen erklimmen konnte. Vor dem Schreiben seines Buches kontaktierte und interviewte Ferriss etwa zwölf Buchautoren, deren Schreibstil ihm am besten gefiel, nach ihren Methoden. Danach informierte er sich bei Autoren mit den erfolgreichsten Verkaufszahlen über deren Marketing und PR-Kampagnen. Mit den Antworten erstellte er eine Not-To-Do-Liste. Die ersten Punkte auf der Liste waren Buchtouren und Autogrammstunden in Buchläden (vlg. Tim Ferriss: How Does a Bestseller Happen? A Case Study in Hitting #1 on the New York Times). Sein Mitarbeiter Charlie Hoehn ergänzt die Liste mit seinen Erfahrungen bei der Werbung für das darauf folgende Buch „The 4-Hour Body“ um einige Punkte: Timothy Ferriss wollte keine E-Mail-Kontakte erwerben oder seinen Fokus auf Facebook oder Twitter legen. Genauso wenig vertraute er sich einem Berater an, der ihm den Weg in die Bestseller-Listen hätte erkaufen können. Eine Email Drip Campagne1 (vgl. Charlie Hoehn: 12 Lessons Learned While Marketing “The 4-Hour Body”)kam nicht in Frage.

To-Do-Liste

Stattdessen wollte er das effizienteste aller „Word-of-Mouth“-Netzwerke für sich nutzen, die Bloggerszene (vlg. Tim Ferriss: How Does a Bestseller Happen? A Case Study in Hitting #1 on the New York Times). Damit fiel Timothy Ferriss To-Do-Liste eher klein aus. Er ging gezielt zu Barcamps, Workshops und Bloggertreffen um Blogger kennenzulernen, die er sich zuvor herausgesucht hatte. So konnte er die ersten Kontakte knüpfen. Um sie zu pflegen und zu vertiefen las er regelmäßig die Blogs seiner neuen Bekannten. Er demonstrierte Interesse an deren Arbeit und verfasste hilfreiche E-Mails oder Kommentare. Seinen Lieblingsautoren half er außerdem mit Hinweisen für deren Geschichten weiter. Das konnten Links sein, Videos, neue Blogs oder hilfreiche Artikel. In seinem eigenen Blog griff er die Texte und Ideen seiner Bekannten auf, sponn sie weiter und verlinkte zu deren Seiten. Als sein Buch schließlich veröffentlicht werden sollte, fragte er seine Blogger-Freunde, ob er ihnen ein Exemplar zuschicken könnte. Timothy Ferriss bat nicht um eine Rezension, er verteilte kleine Geschenke. Durch die persönliche Beziehung zu den Bloggern waren viele sofort bereit, über das Buch zu schreiben. Innerhalb weniger Tage gab es dutzende Rezensionen und Verweise auf seinen Blog. Ein riesiger Schneeballeffekt entstand, den selbst die Medien verblüfften, in dessen Interesse er rasant gestiegen war (vgl. Jochen Mai: Think Blog! - Personal Relations statt PR). Seinen eigenen Blog nutzte Timothy Ferriss vor allem später bei der Werbung für sein zweites Buch. Drei Monate vor dem Erscheinen gab er das Datum des Releases bekannt und versprach gleichzeitig, die Werbung auf einem Minimum zu halten und seinen Blog ansonsten weiterzuführen wie bisher (vgl. Charlie Hoehn: 12 Lessons Learned While Marketing “The 4-Hour Body”).

Buchinhalt

In dem Buch selbst geht es, wie im Titel beschrieben, um eine Arbeitswoche, die nur noch vier Stunden lang ist. Möglich sein soll das durch die DEAL-Formel. Das „D“ steht für Definition. Zuerst soll alles, was eine Person nicht mag oder ihr sogar Angst macht, festgehalten werden und der Worst-Case ausgemalt werden. In einem Interview mit Markus Albers gibt Ferriss Hilfestellung zum ersten Punkt: „Legen Sie das monatliche Zieleinkommen für Ihren Traum-Lebensstil fest.“ (Markus Albers: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben). Darauf folgt die Elimination. Nun muss die Person überlegen, womit die meiste Arbeitszeit verschwendet wird und auf welche wichtigen Dinge sie sich wirklich konzentrieren sollte. Der nächste Schritt ist die Automation. Nach Ferriss können nicht nur Geschäftsleute outsourcen, auch Privatleute sollen lernen, Aufgaben zu delegieren und die Geschäfte am Laufen halten, ohne ständig anwesend zu sein. Mit der Liberation schließt die Formel ab. Die Person soll sich aus dem normalen Büro-Umfeld schrittweise verabschieden. Die Hauptbeschäftigung liegt jetzt darin, zu planen, was mit der neu gewonnen Zeit angefangen werden soll (vgl. Rolf F. Katzenberger: Deutschsprachiges Forum zur 4-Stunden-Woche eröffnet).

Titel und Erfolge

Timothy Ferriss bekam nach seiner neuartigen Buch-Promotion von „The 4-Hour Workweek“ einige Titel: Von Alfred Pope, UBS World Headquarters, wurde er sogar zum Indiana Jones des digitalen Zeitalters ernannt. Laut dem Forbes-Magazin gehört er zu den Menschen, die man im Jahr 2011 kennen muss und vom Wired Magazin bekam er 2008 den Preis als „Bester Selbstpromoter aller Zeiten.“ Ein Jahr zuvor, als sein Buch erschienen war, wurde er bereits zu den Nominalisten für den Titel „Innovativsten Geschäftspersonen 2007“ gezählt. Heute ist er Gastredner bei Global-Players wie Google, MIT, Harvard Business School, Nike, Facebook und Microsoft (vlg. Tim Ferriss: Bio). Auf Facebook gefällt sein Profil mittlerweile über 98.000 Personen (vgl. Facebook: Tim Ferriss).

Das Buch „The 4-Hour Workweek“ erklimmte die Bestseller-Listen der New York Times (vgl. New York Times: Hardcover Business Best Sellers), des Wall Street Journals und der Businessweek (vlg. Tim Ferriss: How Does a Bestseller Happen? A Case Study in Hitting #1 on the New York Times). Vier Jahre lang war es fast ununterbrochen in der New York Times Bestseller-Liste. In den USA wurde das Buch als Hardcover mehr als 1.000.000 Mal verkauft (vgl. Tim Ferriss: The most frequent question I get is: “How did you hit #1 on The New York Times bestseller list?”). Mitterweile ist es in 35 Sprachen übersetzt worden (vlg. Tim Ferriss: Bio).

Fazit

Abschließend, als Zusammenfassung der Erfolgsgeschichte von Timothy Ferriss, passt der Kommentar des Bloggers Jochen Mai sehr gut: „Blogger sind keine PR-Maschinen, aber Beziehungs-Multiplikatoren. Und das ist viel wirkungsvoller für Ruf und Reputation“ (Jochen Mai: Think Blog! - Personal Relations statt PR). Timothy Ferriss gibt ein Beispiel, wie wichtig und zukunftsweisend die Bloggerszene ist und dass sie ernst genommen werden muss.

Fußnote:

  • 1 Kleckerkampagnen dienen der Werbung und erstrecken sich über einen längeren Zeitraum. Die Idee dahinter ist es, der ausgewählten Zielgruppe eine Werbe-Message behutsam und stetig „einzuflüstern“ anstatt sie damit zu terrorisieren. Notwendig ist diese Art von Technik bei Botschaften, die kontinuierlich im Gedächtnis bleiben sollen (vgl. Burda News Group MediaLine: Kleckern n (Kleckerkampagne f) (advertising)).

Literaturliste:

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Page last modified on 07.08.2011 13:35 Uhr