Inhalt:
1. Die Grundlagen des Konstruktivismus
2. Die Grundlagen der Wahrnehmung
3. Was Wirklichkeit ist
4. Die individuelle Wirklichkeitskonstruktion
5. Die soziale Wirklichkeitskonstruktion
6. Wirklichkeitskonstruktion durch Medien
7. Wirklichkeitskonstruktion durch PR über Medien
8. Wirkung von PR auf die Gesellschaft
9. Beispiele: PR als Metakomunikation
10. Quellenverzeichnis
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„Die Welt steckt im Gehirn. Das Abbild geht dem Original voraus.“ (Hoimar v. Ditfurth)
Das Basistheorem des Konstruktivismus besagt, dass der Mensch im Prozess seiner Wahrnehmung kein Abbild der realen Wirklichkeit erzeugen kann, sondern jeweils nur relative, subjektiv konstruierte Wirklichkeit.
"Die Welt wird nicht gefunden, sondern erfunden.“(Heinz von Foerster)
Diese Erkenntnis macht sich die PR zu nutze, um ihre Ziele zu erreichen – etwa um in der Gesellschaft bzw. der öffentlichen
Diskussion Themen und Inhalte zu platzieren, oder aber, um zu verhindern, dass kritische Themen Teil der öffentlichen
Diskussion werden.
Die Grundidee des Konstruktivismus besteht bereits wesentlich länger als die PR selbst: Als „Vordenker“ des Konstruktivismus gelten bereits der altgriechische Philosoph Demokrit (460 – ca. 380 v. Chr.) lehrte:
„Wie in Wirklichkeit ein jedes ist, ist dem Erkennen nicht zugänglich Wir aber erfassen in Wahrheit nicht Untrüglich,
sondern nur was wechselt entsprechend der Verfassung unseres Körpers."
Pyrron von Elis (ca. 360 – ca. 270 v. Chr.) begründete im antiken Griechenland die Lehre der Skepsis. Er stellte jegliche Erkenntnis in Frage, da er davon überzeugt war, dass der Wahrheitsgehalt der Wahrnehmung nicht feststellbar sei – zumal jeder Erkenntnis die subjektive Wahrnehmung von Erscheinungen zu Grunde liege, welche niemals mit einer „objektiven“ Wahrnehmung verglichen werden können.
Schließlich bekräftigte Immanuel Kant (1724 – 1804) in seiner „Kritik der reinen Vernunft“, dass die Begriffe „Raum“ und „Zeit“ Kategorien des Bewusstseins sind. Das bedeutet, dass der Mensch alles, was er wahrnehmen kann, innerhalb der Grenzen seines Bewusstseins wahrnimmt – und folglich alles, was er wahrnimmt, subjektiv erkannt und bewertet wird.
Vereinfacht gesagt: Ein Stein ist nicht von Natur aus ein Stein, sondern, weil die Menschen diesen wahrgenommenen, ausgedehnten (d.h. Raum einnehmenden), festen, rundlichen Gegenstand irgendwann einmal übereinkommend als Stein definiert haben. Nicht die Natur hat den Stein zum Stein definiert, sondern das menschliche Bewusstsein. Letzlich ist es der Natur auch egal, ob ein Stein als Stein, oder als Banane bezeichnet wird – im Gegensatz zum Menschen.
Der Mensch ist ein „geschlossenes kognitives System“, d.h. sein Bewusstsein steht in keiner direkten Verbindung zur Außenwelt. Daraus folgt, dass alle Informationen aus der Außenwelt über den „Katalysator“ Wahrnehmung in das Bewusstsein aufgenommen und dann vom Verstand ausgewertet werden. Auf die Auswertung folgt in der Regel das Abspeichern bestimmter Informationen als Wissen. Wissen wird vom Bewusstsein aufgebaut, um den formlosen Ablauf des Erlebens so weit wie möglich in wiederholbare Erlebnisse und relativ verlässliche Beziehungen zwischen diesen zu Ordnen.
Fazit:
(Definition nach Watzlawick)
Wirklichkeit erster Ordnung:
Alle Tatsachen, die sich in der Beobachtung oder experimentell „objektiv“ feststellen lassen, d.h. wenn die Wiederholung derselben Untersuchung dasselbe Resultat ergibt.
Wirklichkeit zweiter Ordnung:
Jener Aspekt der Realität, in dessen Rahmen den „Tatsachen“ der Wirklichkeit erster Ordnung Sinn, Bedeutung und Wert zugeschrieben werden.
„Die Wirklichkeit zweiter Ordnung beruht ausschließlich auf der Zuschreibung von Sinn und Wert an diese Dinge und daher auf Kommunikation“ (Watzlawick)
Anmerkung zu Watzlawick: Die Wirklichkeit zweiter Ordnung muss notwendig zum Teil auf Erfahrungen und Verstandesleistungen beruhen, sonst gäbe es nichts zu kommunizieren.
Fazit:
Folgendes Beispiel soll diese Definition nochmals verdeutlichen:
Wirklichkeit erster Ordnung:
Jedes mal, wenn man einen Böller anzündet, wird dieser explodieren – das selbe Experiment führt jedes mal zum selben Ergebnis. Dies ist eine Tatsache, die sich objektiv feststellen lässt.
Wirklichkeit zweiter Ordnung:
In der Wirklichkeit zweiter Ordnung werden dieser objektiv feststellbaren Tatsache (= der Explosion an sich) Bedeutungen zugeschrieben: Der Gegenstand ist feuergefährlich, explosiv, es besteht Verletzungsgefahr, daher Benutzung erst mit 18 Jahren, etc.
Konstruktion (Definition nach Schmidt): Prozesse „... in deren Verlauf Wirklichkeitsentwürfe sich herausbilden, und zwar keineswegs willkürlich, sondern gemäß biologischen, kognitiven und sozialen Bedingungen, denen sozialisierte Individuen in ihrer sozialen und natürlichen Umwelt unterworfen sind.
„Dieser Konstruktion aber bleiben wir unbewusst und nehmen naiverweise an, dass sie unabhängig von uns existiert“ (Watzlawick)
Die Stabilisierung bzw. Bestätigung individueller Wirklichkeitskonstrukte erfolgt mittels Kommunikation als Erprobung, Verwerfung oder Bestätigung in Sozialkontakten und ergibt so die subjektiv als „objektiv“ wahrgenommene Wirklichkeit.
Auf Grund der fortwährenden Kommunikation in einer Gesellschaft (Familie Freundeskreis, Staat) entsteht ein teilweise vergleichbares bzw. paralleles Abbild der subjektiven Wirklichkeitskonstruktionen. Diese vergleichbaren subjektiven Wirklichkeitskonstrukte bilden sich zu sozialen Räumen aus. Im Marketing bzw. der PR werden diese sozialen Räume auch als (Sinus-)Milieus, Zielgruppen, bzw. Interessengruppen bezeichnet.
Der Übergang von der individuellen zur sozialen Wirklichkeitskonstruktion ist fließend: Sigmund Freud formulierte dementsprechend seinen individualpsychologischen Ansatz folgendermaßen: Der Mensch ist in seiner sozialen Umwelt gefangen in einem Schema aus Nachahmung und Suggestion.
Aber: Nicht alles, was kommuniziert wird, wird auch gesellschaftlich relevant - es besteht eine Abhängigkeit vom sozialen Status des Kommunikanten. Dabei sind zu unterscheiden a) der soziale Status im gesamten Sozialsystem und b) der soziale Raum, in dem sich der Kommunikant bewegt. So führt es z. B. eher zu einer öffentlichen Diskussion, wenn ein Franz Müntefering sich über die ach so geldgierigen Unternehmer mokiert, als wenn gleiches ein Arbeiter im Stahlwerk äußert.
Fazit:
„Wir erzeugen die Welt, in der wir leben, indem wir sie Leben“ (Maturana)
Medien konstruieren Wirklichkeit mittels Kommunikation,
Medien haben metakommunikative Bedeutung:
Sie konstruieren aus Wirklichkeit erster Ordnung (dem Ereignis) Wirklichkeit zweiter Ordnung (durch Selektion und Wertung),
Ziel der PR:
Taktik:
Folge: Als Wirklichkeit konstruierende Metakommunikatoren nehmen PR erfolgreich an der öffentlichen Kommunikation teil, d.h. PR determiniert den Journalismus aufgrund der Position im Prozess der gesellschaftlichen Wissensproduktion.
Fazit:
„Wirklich ist heute nicht mehr das, was wirklich ist, sondern das, was die Medien als wirklich darstellen!“ (nach Merten)
Doktor Faust PR: Imageschaden abgewendet
United Fruit Company, Intervention in Guatemala 1954
10. Quellen: